Alles hat am 24.Februar 2017 seinen Anfang genommen. An diesem Tag verstarb unser Freund Lutz Riewe. Als die Nachricht die Runde machte, hat sich innerhalb von wenigen Stunden eine Gruppe mit Ehemaligen des Spielmannszuges zusammen gefunden, die über den frühen Tod fassungslos waren. Was können wir tun war die Frage, wie können wir helfen? Aber auch wir brauchen uns jetzt und unsere Erinnerungen um darüber hinweg zu kommen. So trafen wir uns vor der Beerdigung schon einmal um in Erinnerungen zu schwelgen. Besprochen haben wir auch da schon, wenn es ein Konzert zu Gunsten von Lutz Familie geben wird, wollen wir mitspielen und nicht nur zu zuschauen. Ich hatte versprochen die Gruppe zu informieren wenn es los geht.

Wir haben viel erlebt,

ne Geschichte die uns ewig bleibt.

Und haben viel gesehen,

das es gut für hundert Leben reicht.

Und ohne unser gestern, würd ich mich heut nicht so auf morgen freuen.

Ist es nicht das was zählt, eine Zeit die gut für hundert Leben reicht.

So starteten wir im Januar 2018, am ersten Donnerstag im neuen Jahr, mit einem ersten Treffen. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, möglichst viele Ehemalige, aktuelle Spieler und jeden der Lust hat zu beteiligen. Bei unserem ersten Treffen haben wir die Märsche besprochen, die wir spielen wollen und auch das wir einige Stücke mit dem jetzigen Zug gemeinsam spielen wollen. Das war eine große Herausforderung für uns alten Flöten, greifen die Spieler jetzt einige Noten doch anders als wir früher! Wir haben jeden Donnerstag bis zum Konzert geprobt und es ist eine bunte Mischung aus allen Zeiten der Spieler entstanden. Kurz vor Ende jeder Probe kamen einige der jetzigen Spieler immer zu uns Senioren, wie wir liebevoll  von den Jungen Spielern genannt wurden, um mit uns gemeinsam 2 Stücke zu proben, die im Moment nicht im Programm des Zuges sind. So hatten einige von uns das Glück, mit ihren Kindern gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Die aktuellen Spieler waren von einigen der Senioren angetan und wollten gerne das sie weiter mitspielen. Es macht einfach Spaß in einem so großen Zug zu spielen.

Am Konzert Wochenende trafen wir uns noch mal am Samstag, um intensiv zu Proben und auch noch einige Spieler, die vorher nicht teilnehmen konnten, zu integrieren. Wir probten in der IAS und machten es uns anschließend im Vereinsheim bei einem Video von 1994 „Kiddies on tour“ gemütlich.

Dabei wurde uns bewusst, wieviel wir miteinander erlebt haben und aus den Oldies/ Senioren wurden Goldies. Haben wir doch 2001 die Fahne in Kerkrade gewonnen. Das gilt aber auch noch für heute. Auch heute werden noch die gleichen Werte im Spielmannszug vermittelt und für den einen oder anderen sind die Menschen dort ein Stück weit Familie und Heimat.

Der Sonntag, das Konzert stand vor der Tür. Wir merkten, wie es uns immer mehr berührte - wir spielten dieses Konzert nicht nur für uns, sondern für unseren Freund.

So trafen sich alle Mitwirkenden am Sonntag um 10.00 zum Aufbauen und zur Generalprobe.

Die Bühne wurde mit Blumen und alten Fotos dekoriert, Stühle aufgebaut, Kaffee und Getränke vorbereitet und noch einmal geprobt. Kurz vor Konzertbeginn probten wir noch einmal das Singen. Hatte ich mir doch überlegt, dass wir alle gemeinsam das Lied von Johannes Oerding „ Hundert Leben“ singen sollten. Wer das Lied und den Spielmannszug kennt, weiß, dass der Text für alle Generationen gilt und auch sehr emotional werden würde. Andreas Schraga hatte sich bereit erklärt die Strophen zu singen, die Goldies sollten den Refrain singen und an einer bestimmten Stelle kurz vor Schluss sollten alle die mitgewirkt haben, auf die Bühne kommen. So war es dann auch bei der Generalprobe schon tränenreich.

So noch einmal durchatmen, umziehen, kleine Ansprache und einen Wodka Redbull auf Lutz. Jetzt geht es los, rein maschieren, rauf auf die Bühne und es geht los mit Washington Post. Das Konzert läuft, es sind viele Zuschauer gekommen und bedanken sich mit reichlich Beifall bei uns. In der Pause gibt es viel Austausch von Erinnerungen bei Kaffee und Kuchen. Und schon läutete es zur 2 Hälfte des Konzerts. Der Zug spielt sein aktuelles Wettstreit Programm und macht dadurch die Weiterentwicklung zu früher hörbar. Dann spielen wir noch 2 Stücke gemeinsam Goldies und Zug. Es stehen ca. 60 Musiker auf der Bühne. Es ist so voll, dass einige hinter dem Vorhang stehen. Ich bin überwältigt und bekomme Gänsehaut. Aber reiß dich zusammen Gesa, es kommt noch das Singen, nicht jetzt schon emotional werden. Dann ist es so weit, der Zug geht von der Bühne, Dirk moderiert den Song an und los geht’s. Ich kann es kaum beschreiben, es war ein unglaublich schöner Moment, mit so viel Aussagekraft für alle die da waren. Nicht nur für die Goldies, auch unter den jetzigen Spielern gab es emotionale Momente mit ihren Freunden auf der Bühne. Es lagen sich 2 junge Männer in den Armen, von denen der eine letztes Jahr aufgehört hatte und eigentlich gerne geblieben wäre. Auf die Frage : Haben wir nicht schön gesungen? Bekam ich die Antwort: Weiß ich nicht, ich habe nur mit … um die Wette geweint.

Ist es nicht das was zählt, ne Geschichte die für ewig reicht,

und ohne unsere Gestern, würd ich mich heut nicht so auf morgen freuen.

Spielmannszug Rödemis ist und bleibt was besonderes für alle die mitmachen oder mitgemacht haben.

Danke für Alles!!!!!!!

Gesa Petersen